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Predictive Analytics & Forecasting

Eine Prognose hilft nur, wenn jemand auf ihrer Grundlage anders entscheidet. Wir entwickeln Vorhersagen für Nachfrage, Auslastung, Kündigungen und Zahlungsausfälle und messen sie an einer einfachen Vergleichsprognose, bevor sie in Planung, BI und ERP gehen.

Vorjahr plus fünf Prozent ist eine erstaunlich verbreitete Planungsmethode. Das geht gut, solange sich wenig ändert. Kommen Saisoneffekte, Aktionen, Preisänderungen oder schwankende Märkte dazu, werden die Abweichungen größer. Auf der einen Seite liegt dann zu viel Ware im Lager, auf der anderen sind Lieferfähigkeit und Personal am Limit.

Wir entwickeln Prognosen für Nachfrage, Absatz, Auslastung, Kündigungen und Zahlungsausfälle. Dahinter stecken zwei Arten von Fragen. Bei der einen geht es um Verläufe: Wie viele Einheiten werden nächste Woche verkauft, wie hoch ist die Auslastung im kommenden Quartal? Das ist Forecasting im engeren Sinn. Bei der anderen geht es um Wahrscheinlichkeiten für Einzelfälle: Wie wahrscheinlich kündigt dieser Kunde, welche Rechnung wird voraussichtlich zu spät bezahlt? Dort entsteht ein Wert zwischen null und eins, mit dem sich die Fälle sortieren lassen. Die fachliche Planung im Controlling beschreibt der Schwerpunkt Controlling & Finance Analytics, die allgemeine Modellentwicklung der Schwerpunkt Machine-Learning-Entwicklung.

Was genau soll vorhergesagt werden?

Absatz in Stück oder Umsatz in Euro, pro Artikel oder pro Warengruppe, pro Tag oder pro Monat, für die nächsten vier oder die nächsten vierzig Wochen? Das richtet sich nach der Entscheidung, die daran hängt. Für die Bestellung von Ware mit langer Lieferzeit zählen ein anderer Horizont und eine andere Ebene als für die Dienstplanung.

Als Maßstab dient eine Baseline, also eine einfache Vergleichsprognose: der Wert des Vorjahres, der gleiche Wochentag der Vorwoche, ein gleitender Durchschnitt. Ein Modell ist erst dann einen Aufwand wert, wenn es diese Baseline deutlich schlägt. Gemessen wird per Backtesting. Das Verfahren prognostiziert vergangene Zeiträume, ohne deren Werte zu kennen, und die Treffer werden mit den tatsächlichen Zahlen verglichen. Mehrere Zeiträume zu testen ist wichtig, damit ein einzelner Ausreißer das Bild nicht verfälscht. Das Fehlermaß sollte zur Entscheidung passen, etwa der Fehler in Stück oder in Euro.

Welches Verfahren gewinnt, zeigt das Backtesting

Klassische Zeitreihenverfahren wie exponentielle Glättung, ARIMA oder Theta modellieren Trend und Saison einer einzelnen Reihe. Das geht schnell, ist gut nachvollziehbar und oft schwer zu schlagen, besonders bei regelmäßigen Mustern. Machine Learning, etwa Gradient Boosting, lernt dagegen über viele Reihen hinweg und bezieht viele Einflussfaktoren ein. Das lohnt sich, wenn Artikel, Filialen und Aktionen zusammen betrachtet werden. Für Kündigungen und Zahlungsausfälle kommen entsprechend Klassifikationsmodelle zum Einsatz.

Die dritte Gruppe sind vortrainierte Zeitreihenmodelle wie TimesFM von Google oder Chronos von Amazon. Sie erstellen Prognosen, ohne für die einzelne Reihe trainiert zu werden, neuere Versionen können auch Einflussfaktoren berücksichtigen. In öffentlichen Benchmarks schneiden sie gut ab, die Angaben stammen allerdings überwiegend von den Entwicklern selbst. Interessant können sie bei vielen Reihen mit kurzer Historie sein. Ob sie auf den eigenen Daten Baseline und klassische Verfahren schlagen, zeigt nur das Backtesting. Dazu gehört ein Blick auf die Lizenz, denn bei einzelnen Modellversionen sind die Gewichte nur für nicht kommerzielle Zwecke freigegeben.

Welche Gruppe gewinnt, lässt sich nicht pauschal sagen. Häufig ist ein Verbund aus mehreren Verfahren am verlässlichsten. Für sporadische Nachfrage, etwa bei Ersatzteilen, gibt es eigene Verfahren, weil viele Tage ohne Absatz die üblichen Methoden verzerren.

Einflussfaktoren, Hierarchien und Unsicherheit

Zu den Einflussfaktoren zählen Saison und Wochentag, Feiertage, Ferien, Preise, Aktionen, Konkurrenz und Wetter. Entscheidend ist, dass ein Faktor für den Prognosezeitraum bekannt ist. Feiertage und geplante Preise sind es. Beim Wetter liegt nur eine Vorhersage vor, und mit der sollte das Modell auch trainiert werden. Wer im Training das tatsächliche Wetter verwendet, bekommt eine Prognose, die im Einsatz schlechter ausfällt als im Test. Sonderfälle wie Lockdowns oder Lieferengpässe verzerren die Historie und sollten gekennzeichnet werden. Und wer Jahresmuster erwartet, braucht mehrere Jahre Daten.

Die meisten Unternehmen brauchen Prognosen auf mehreren Ebenen, pro Artikel, Warengruppe, Region und für das Gesamtunternehmen. Einzeln berechnet, passen die Zahlen nicht zusammen. Bei der hierarchischen Prognose werden sie deshalb abgeglichen, von unten nach oben, von oben nach unten oder mit Verfahren wie MinT, die alle Ebenen gemeinsam berücksichtigen. So summieren sich die Prognosen der Artikel zur Prognose der Region.

Jede Prognose enthält Unsicherheit. Prognoseintervalle zeigen sie als Bandbreite, in der die tatsächliche Zahl mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit liegt. Damit lassen sich konkrete Fragen beantworten: Wie viel Sicherheitsbestand ist nötig, wie viele Personen müssen für den ungünstigen Fall eingeplant werden? Ein einzelner Punktwert verschweigt das. Bei Einzelfall-Vorhersagen kommt es darauf an, dass die Wahrscheinlichkeiten stimmen: Von Fällen mit 20 Prozent sollte tatsächlich etwa jeder fünfte eintreten.

Warum Prognosen im Alltag liegen bleiben

Eine Prognose wirkt erst, wenn sie dort ankommt, wo geplant wird. Die Modelle laufen deshalb automatisiert, und die Ergebnisse stehen als Tabelle im Data Warehouse oder als Schnittstelle bereit. BI-Tools zeigen Ist, Prognose und Bandbreite im selben Bericht, Planungsplattformen übernehmen den Wert als Vorschlag, das ERP kann ihn für Bedarfsplanung und Disposition nutzen. Planende können den Vorschlag annehmen oder anpassen. Wir halten beides fest, damit sich später prüfen lässt, ob die manuelle Korrektur die Prognose verbessert hat. Wird von Hand überschrieben und niemand notiert, warum, lässt sich daraus nichts lernen.

Nach der Einführung beginnt die Überwachung. Sobald die tatsächlichen Werte vorliegen, wird die Abweichung fortlaufend ausgewertet. Verschlechtert sie sich, etwa durch ein neues Sortiment, geänderte Preise oder verändertes Kundenverhalten, wird das Modell angepasst oder neu trainiert. Eine Prognose, die nie mit der Realität verglichen wird, verliert unbemerkt an Qualität. Wie sich so ein Betrieb technisch aufsetzt, steht im Schwerpunkt MLOps.

Was es bringt

  • Planung mit Rückhalt in den Daten

    Absatz- und Nachfrageprognosen für Einkauf, Lager und Personaleinsatz, gemessen an dem, was bisher geplant wurde.

  • Risiken früher sehen

    Kündigungen und Zahlungsausfälle werden nach Wahrscheinlichkeit sortiert, solange sich noch etwas tun lässt.

  • Bandbreite statt Punktwert

    Jede Prognose zeigt, wie sicher sie ist. Damit lassen sich Sicherheitsbestand und Schichtplan begründen.

  • Prognosen dort, wo geplant wird

    Die Ergebnisse erscheinen im Bericht, in der Planungsplattform oder im ERP und müssen nicht aus Tabellen abgetippt werden.

Plattformen & Tools

Wir sind an keinen Hersteller gebunden und arbeiten mit dem, was im Unternehmen schon läuft. Die Liste ist eine Auswahl.

  • StatsForecast
  • LightGBM
  • XGBoost
  • TimesFM
  • Chronos
  • BigQuery ML
  • Azure Machine Learning
  • Amazon SageMaker AI
  • Databricks
  • Power BI
  • SAP Analytics Cloud

So gehen wir vor

  1. Entscheidung und Zielgröße festlegen

    Was wird auf welcher Ebene und für welchen Zeitraum vorhergesagt, und welche Entscheidung hängt daran? Davon hängen Horizont und Fehlermaß ab.

  2. Historie aufbereiten, Baseline setzen

    Wir bereinigen die Historie, kennzeichnen Sonderfälle, ergänzen Einflussfaktoren wie Saison, Feiertage oder Preise und legen eine einfache Vergleichsprognose als Maßstab fest.

  3. Verfahren im Backtesting vergleichen

    Zeitreihenverfahren, Machine Learning und bei Bedarf vortrainierte Zeitreihenmodelle prognostizieren vergangene Zeiträume, deren Werte sie nicht kennen.

  4. Ausliefern und nachmessen

    Die Prognosen laufen automatisch in Planung, BI und ERP. Sobald die tatsächlichen Werte da sind, wird die Abweichung laufend ausgewertet.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Predictive Analytics und Forecasting?
Forecasting sagt meist zeitliche Verläufe voraus, etwa die Nachfrage der nächsten Wochen. Predictive Analytics ist breiter und umfasst auch Einzelvorhersagen, zum Beispiel wie wahrscheinlich ein bestimmter Kunde kündigt oder eine Rechnung nicht zahlt.
Wie viel Historie brauchen wir für eine Prognose?
Um saisonale Muster zu erkennen, sollten die Daten mehrere Zyklen abdecken, bei Jahresmustern also möglichst mehrere Jahre. Mit weniger Historie sind Prognosen trotzdem möglich, aber unsicherer. Bei neuen Produkten helfen Vergleichsprodukte oder vortrainierte Modelle.
Wie genau werden die Prognosen?
Das hängt von Daten und Fragestellung ab. Manche Größen, etwa die Nachfrage nach einzelnen Artikeln mit sporadischen Käufen, sind von Natur aus schwer vorherzusagen. Wir messen die Genauigkeit an vergangenen Zeiträumen und vergleichen sie mit dem bisherigen Vorgehen, statt vorab einen Wert zu versprechen.
Was ist eine Baseline, und warum brauchen wir sie?
Eine Baseline ist eine einfache Vergleichsprognose, zum Beispiel der Wert des Vorjahres oder ein gleitender Durchschnitt. Daran zeigt sich, ob ein aufwendigeres Modell tatsächlich etwas verbessert. Schlägt ein Modell die Baseline nicht deutlich, bleibt man besser bei der einfachen Lösung.
Zeitreihenmodell oder Machine Learning?
Klassische Zeitreihenverfahren sind stark bei regelmäßigen Mustern und wenigen Einflussfaktoren. Machine-Learning-Verfahren spielen ihre Stärken aus, wenn viele Reihen und viele Einflussfaktoren zusammenkommen. Welches besser abschneidet, entscheidet das Backtesting auf den eigenen Daten.
Taugen Modelle wie TimesFM oder Chronos für unsere Prognosen?
Möglicherweise. Diese vortrainierten Modelle liefern Prognosen ohne eigenes Training und schneiden in öffentlichen Benchmarks gut ab, wobei die Zahlen überwiegend von den Entwicklern stammen. Ob sie bei den eigenen Daten besser sind als Baseline und klassische Verfahren, zeigt erst ein Backtesting. Auch die Lizenzbedingungen der Modelle sind zu prüfen.
Was bedeuten Prognoseintervalle?
Statt eines einzelnen Werts geben sie eine Bandbreite an, in der die tatsächliche Zahl mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit liegt. Damit lassen sich Sicherheitsbestände und Szenarien begründen. Je weiter in die Zukunft, desto breiter wird das Intervall.