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Data Governance & Datenqualität

Wenn zwei Berichte unterschiedliche Zahlen zeigen, will niemand mehr mit Daten entscheiden. Wir setzen die Regeln für Qualität, Zugriffe und Verantwortung technisch um, mit automatischen Prüfungen, einem Datenkatalog und sauberen Berechtigungen.

Wenn Zahlen in verschiedenen Berichten nicht übereinstimmen, leidet das Vertrauen in Daten schnell. Dazu kommen Anforderungen an Datenschutz und Sicherheit, die mit jeder neuen Quelle wachsen. In vielen Unternehmen stehen die Regeln dafür auf dem Papier, geprüft werden sie im Betrieb nicht.

Die Datenstrategie legt fest, wohin ein Unternehmen mit seinen Daten will. Data Governance heißt, dass die Daten im Alltag dafür taugen. Genau diesen operativen Teil setzen wir technisch um. Governance soll die tägliche Arbeit erleichtern, deshalb halten wir den Aufwand klein und fangen dort an, wo ein Fehler am meisten kostet.

Zuerst: wer ist zuständig?

Ohne Zuständige bleibt der Rest Papier. Im Alltag zählen vor allem zwei Rollen. Der Data Owner verantwortet einen Datenbereich fachlich, etwa Kunden- oder Finanzdaten, und entscheidet über Definitionen, Qualitätsanforderungen und Zugriffe. Der Data Steward pflegt im Tagesgeschäft Beschreibungen und Stammdaten, bearbeitet Qualitätsmeldungen und ist Ansprechperson. Wie solche Rollen gefunden und in der Organisation verteilt werden, ist Teil der Datenstrategie.

Beide Rollen funktionieren nur mit Zeit und Mandat. Ein Eintrag im Katalog ohne tatsächliche Zuständigkeit ändert nichts. Meldungen aus der Qualitätsprüfung gehen deshalb direkt an die benannte Person. Kennzahlen wie „Umsatz“ oder „aktiver Kunde“ werden in der Datenmodellierung definiert. Governance stellt sicher, dass es für jede Definition eine verantwortliche Person gibt und dass man sie findet.

Qualität messen statt behaupten

Datenqualität lässt sich nur verbessern, wenn man sie misst. Wir legen mit den Fachbereichen Regeln fest und prüfen sie bei jedem Ladevorgang automatisch. Fehlen Werte, die vorhanden sein müssten? Sind Schlüssel und Kundennummern einmalig? Entsprechen Werte dem erwarteten Format, und stimmen die Beziehungen zwischen Tabellen? Sind die Daten rechtzeitig eingetroffen, und liegen Summen, Mengen und Verläufe im erwarteten Bereich?

Umgesetzt wird das mit dem, was meist ohnehin im Einsatz ist: Tests in dbt oder ein Prüf-Framework, manche Plattformen und Kataloge haben auch eigene Qualitätsfunktionen. Schlägt eine Prüfung fehl, geht eine Meldung an die zuständige Person, und je nach Schwere werden die Daten blockiert oder gekennzeichnet weitergegeben.

Wichtig ist, nicht zu viel auf einmal zu prüfen. Wer täglich Dutzende irrelevante Alarme bekommt, liest bald keinen mehr. Besser ist ein Start mit den Regeln, die den größten Schaden verhindern.

Katalog und Lineage

Ein Datenkatalog verzeichnet Tabellen, Berichte und Kennzahlen mit Beschreibung, Verantwortlichen, Klassifizierung und Herkunft. Er beantwortet die Frage, wo welche Daten liegen und was sie bedeuten. Lineage ergänzt den Weg der Daten von der Quelle über Transformationen bis zum Bericht. Damit lässt sich einschätzen, was eine Änderung betrifft, und bei Fehlern der Ursprung eingrenzen.

Produkte gibt es reichlich, kommerzielle ebenso wie quelloffene. Meist reicht für den Anfang der Katalog, den die eigene Plattform ohnehin mitbringt. Ein übergreifendes Werkzeug lohnt sich eher bei mehreren Plattformen. Entscheidend ist weniger das Produkt als die Pflege: Veraltete Beschreibungen sind schlimmer als keine, weil sie falsche Sicherheit geben. Auch hier gilt, lieber wenige Bereiche mit hohem Nutzen gründlich zu beschreiben, als alle Daten gleichzeitig anzufassen und nirgends fertig zu werden.

Zugriffe, Pseudonymisierung, Löschung

Zugriffe vergeben wir nach Rollen und dem Prinzip der geringsten Rechte, nicht an Einzelpersonen. Rechte für Einzelne sind schwer zu überblicken und werden bei Wechseln im Team selten angepasst. Wo nötig, gelten Einschränkungen auf Zeilen- und Spaltenebene, etwa für Regionen oder Gehaltsdaten. Sensible Daten werden klassifiziert, zum Beispiel als personenbezogen oder vertraulich, und die Klassifizierung steuert Regeln wie Maskierung oder eingeschränkten Zugriff. Zugriffe werden protokolliert. Dauern Freigaben zu lange, weichen Teams auf eigene Lösungen aus, und Self-Service mit klaren Leitplanken funktioniert besser als ein Antragsverfahren.

Bei personenbezogenen Daten kommen zwei Punkte hinzu. Pseudonymisierung ersetzt direkte Kennungen wie Namen durch Schlüssel, sodass Auswertungen ohne direkten Personenbezug möglich sind. Pseudonymisierte Daten gelten dennoch weiter als personenbezogen. Löschkonzepte legen fest, wann welche Daten gelöscht oder anonymisiert werden. Technisch ist das anspruchsvoll, weil Daten in Kopien, Historisierung, Backups und abgeleiteten Tabellen liegen können. Wer nur in der Quelle löscht, lässt den Rest stehen. Wir planen deshalb mit, wo Löschungen überall greifen müssen. Was davon rechtlich verlangt ist, bewertet die Rechtsberatung, wir setzen es technisch um.

Data Contracts und KI-Daten

Ein Data Contract ist eine Vereinbarung zwischen der Seite, die Daten liefert, und der Seite, die sie nutzt. Er beschreibt Struktur, Qualitätsanforderungen, Aktualität und Ansprechpersonen. Mit einem Contract fällt eine Strukturänderung an der Quelle auf, bevor sie Berichte bricht. Dafür gibt es offene Standards wie den Open Data Contract Standard, der Contracts als YAML-Dateien beschreibt, und Vertragsprüfungen in Werkzeugen wie dbt. Die Dateien liegen im Repository und werden in der Pipeline automatisch geprüft. Die Idee passt zu Data Products, bei denen Fachbereiche Daten mit klarer Verantwortung bereitstellen.

Für KI gelten dieselben Grundsätze. Assistenten und Agenten sollen nur Daten sehen, für die die anfragende Person berechtigt ist. Beschreibungen, Qualität und Herkunft der Daten bestimmen, wie gut die Antworten ausfallen. Die rechtlichen Anforderungen an KI-Systeme regelt der EU AI Act, den wir im gleichnamigen Schwerpunkt behandeln. Einige Katalogwerkzeuge stellen Beschreibungen, Lineage und Berechtigungen bereits über Schnittstellen wie das Model Context Protocol für Assistenten bereit. Das ist ein Grund mehr, Metadaten sauber zu pflegen.

Was es bringt

  • Fehler vor dem Bericht

    Automatische Qualitätsprüfungen erkennen Fehler, bevor sie in Berichten und KI-Anwendungen landen.

  • Jede Person sieht, was sie braucht

    Zugriffe richten sich nach Rollen, und sensible Daten sind erkennbar gekennzeichnet.

  • Die richtige Tabelle schnell finden

    Der Katalog zeigt, welche Daten es gibt, was sie bedeuten, woher sie stammen und wer dafür zuständig ist.

  • Herkunft und Zugriffe lassen sich belegen

    Lineage, Protokolle und dokumentierte Regeln machen Datenflüsse und Zugriffe prüfbar.

Plattformen & Tools

Wir sind an keinen Hersteller gebunden und arbeiten mit dem, was im Unternehmen schon läuft. Die Liste ist eine Auswahl.

  • Microsoft Purview
  • Unity Catalog
  • Collibra
  • Atlan
  • DataHub
  • OpenMetadata
  • dbt
  • Great Expectations
  • Soda

So gehen wir vor

  1. Erst sehen, wo es wehtut

    Wir klären, welche Daten es gibt, wie sensibel sie sind, wo Qualitätsprobleme auftreten und wer bisher zuständig ist.

  2. Regeln mit den Fachbereichen festlegen

    Qualitätsregeln, Zugriffskonzept, Klassifizierung und Löschfristen entstehen gemeinsam mit denen, die die Daten verantworten.

  3. Auf der vorhandenen Plattform umsetzen

    Prüfungen in den Pipelines, Katalog, Lineage, Berechtigungen und Protokollierung richten wir mit dem ein, was die Plattform schon mitbringt.

  4. Im Alltag verankern

    Mit Monitoring, einfachen Abläufen und einer kurzen Schulung gelten die Regeln auch dann noch, wenn das Projekt vorbei ist.

Häufige Fragen

Was ist Data Governance?
Data Governance umfasst die Regeln, Rollen und Werkzeuge, mit denen ein Unternehmen seine Daten verlässlich, auffindbar und geschützt hält. Dazu gehören Zuständigkeiten, Datenqualität, Katalog, Zugriffe und Löschkonzepte. Die strategische Ausrichtung gehört zur Datenstrategie, die operativen Regeln und ihre technische Umsetzung zur Data Governance.
Was ist ein Datenkatalog, und brauchen wir einen?
Ein Datenkatalog verzeichnet, welche Daten es gibt, was sie bedeuten, woher sie kommen, wer sie verantwortet und wer Zugriff hat. Er lohnt sich, sobald mehrere Teams mit denselben Daten arbeiten und die Suche nach der richtigen Tabelle Zeit kostet. Viele Plattformen bringen einen Katalog bereits mit, sodass nicht immer ein zusätzliches Werkzeug nötig ist.
Was ist Data Lineage?
Lineage zeigt, wie Daten von der Quelle über Transformationen bis zum Bericht fließen. Damit lässt sich beurteilen, welche Berichte von einer Änderung betroffen sind. Bei der Fehlersuche hilft sie, wenn eine Zahl nicht stimmt, und für Nachweise bei Prüfungen ist sie ebenfalls nützlich.
Was ist ein Data Contract?
Ein Data Contract ist eine Vereinbarung zwischen der Seite, die Daten liefert, und der Seite, die sie nutzt. Er beschreibt zum Beispiel Struktur, Qualitätsanforderungen, Aktualität und Ansprechpersonen. Idealerweise wird er als Datei im Repository gepflegt und automatisch geprüft, sodass Änderungen an der Quelle nicht unbemerkt Berichte brechen.
Brauchen wir für Data Governance ein eigenes Team?
Meist nicht. In kleineren Unternehmen genügen klar benannte Verantwortliche je Datenbereich und ein Datenteam, das Werkzeuge und Standards bereitstellt. Größere Organisationen benennen oft zusätzlich Data Stewards in den Fachbereichen. Mehr Bürokratie als nötig sollte es nicht geben.
Hilft Data Governance bei der DSGVO?
Sie liefert die technische und organisatorische Grundlage, etwa Zugriffskontrollen, Klassifizierung, Pseudonymisierung und Löschkonzepte. Die rechtliche Bewertung bleibt bei den Verantwortlichen im Unternehmen, bei Bedarf mit Rechtsberatung.
Was ändert sich durch KI an der Data Governance?
KI-Assistenten und Agenten greifen auf Daten zu und müssen dieselben Rechte und Regeln einhalten wie Personen. Zudem werden Beschreibungen, Qualität und Herkunft der Daten wichtiger, weil Antworten davon abhängen. Welche Pflichten der EU AI Act ergänzt, behandeln wir im Schwerpunkt EU AI Act.